Reinlichkeit

Geschrieben von Marion Schmitt    

Aus dem sehr informativen Büchlein „Belehrendes und erbauliches Lexicon der Sittsamkeit von A bis Z“ zitiere ich diesmal das Thema Reinlichkeit aus dem Kapitel „Reinlichkeit und Ordnung“ (S. 184).

Hier einige Anregungen, auch die Körperhygiene ganz authentisch durchzuführen.

„Reinlichkeit ist eine Schönheit, welcher der Mensch sich selber gibt. Sie setzt die schönen Theile des menschlichen Körpers in Harmonie zu den minder schönen, selbst zu den häßlichen…..“

„Für alle Damen ist eine zweckmäßige Hautpflege von hoher Bedeutung. Ein reiner, der natürlichen Hautfarbe entsprechender Teint läßt selbst unregelmäßige und weniger hübsche Gesichtszüge vorteilhaft erscheinen. Häufiges, nach Möglichkeit allwöchentliches Baden gehört in das Gebiet der Gesundheitspflege, nur sei, falls das Bad außer dem Hause genommen wird, zur Vorsicht gemahnt, da ein nachlässiges Abtrocknen die Ursache noch Erkrankungen sein kann und bei kühlem Wetter oder strahlender Sonnenhitze die feuchte Haut an Gesicht und Händen leicht rauh wird oder sich bräunt.

Nie sollte man es versäumen, sich Abend vor dem Zubettgehen nochmals zu waschen, am besten auch Hals, Schultern und Brust, um durch die Beseitigung aller Einwirkungen des arbeits- oder vergnügungsreichen Tages die unbehinderte Hautausdünstung herzustellen. Gestandenes, aber nicht etwa gewärmtes Wasser genügt ohne alle
weitere Zusätze zu diesen Waschungen vollkommen und auch die benutzte Seife soll möglichst einfach und ohne ätzende Zusätze sein. Zum Waschen des Gesichtes verzichtet man am besten auf die Seife ganz; tüchtiges Abreiben mit einem rauhen, in frisches Wasser getauchten Waschtuch wird in der Regel vollkommen genügen. …stellt sich ein Gefühl des Spannens auf der Gesichtshaut ein, wird es dienlich sein, sie mit Sauermilch oder auch mit Mandelkleie einzureiben, danach aber stets mit Wasser abwaschen.“

„Besondere Sorgfalt verdient die Pflege der Hände. Eine kleine, schön geformte, weiße und weiche Frauenhand ist in der Tat ein reizendes Gebilde und man ist geneigt bei deren Anblick jenen Erzählungen Glauben zu schenken, nach welchen die allein sichtbare Hand einer sonst sorgfältig verhüllten Dame eine heftige Leidenschaft entzündete.

Ein wichtiger Behelf der Handpflege ist der Handschuh, der zur vollkommenen Toilette gehört und ohnehin bei allen Ausgängen, besonders aber dann, wenn schädigende Einwirkungen wie von Sonne, Kälte usw. zu besorgen sind. Außer bei der Morgen- und Abendtoilette sollen die Hände, ohne dass eine zwingende Ursache durch eine Verunreinigung vorliegt, nicht gewaschen werden. Allzu häufige Waschungen machen
die Haut hart und unempfindlich. Besonders verwerflich ist es, in warmer Jahreszeit die Hände in kaltes Wasser zu tauchen. In diesem Fall wird sanftes Abreiben mit einem weichen Tuch oder Mandelkleie und Kartoffelmehl bessere Dienste tun. Zusätze von wohlriechenden Essenzen zum Waschwasser sind am besten ganz zu meiden, jedenfalls aber nur mit Vorsicht und mäßig anzuwenden, da viele dieser Toilettenmittel
für die Haut bei stärkerer Anwendung nicht unbedenklich sind.

Ein wesentlicher Bestandteil für die Schönheit und Verwendbarkeit der Hand ist der Nagel, der einer besonderen Pflege bedarf. Vor allem ist der skrupulös rein zuhalten.
Die bekannten schwarzen Ablagerungen an der oberen Verlängerung des Nagels sind häßlich und ein sicherer Beweis mangelnden Reinlichkeitssinnes. Zu deren
Beseitigung, wie zum Zurückschieben der Bindehaut an der Nagelwurzel, wodurch der Fingernageln seine schöne ovale Form erhält, zum Polieren der Nägel usw. gibt es besondere Werkzeuge der manicure (Handpflege), für welche manchmal viel mehr Zeit aufgewendet wird, als unbedingt nötig wäre. Besonders ist dies der Fall, wenn der häßlichen Unsitte gehuldigt wird, die Nägel recht lang zu tragen und zuzuspitzen, wie Raubtierkrallen. Es gehört das zu den Ausartungen der Mode und ist nicht nur häßlich, sondern ein solcher Nagel erschwert den Gebrauch der Finger bei vielen Arbeiten, namentlich aber zum Klavierspiel….“

Und zum Thema Haartracht können wir lesen:

„Die Mode gestattet gerade jetzt für die Haartracht große Abwechslung, wie eben jede einzelne Dame ihren Lockenbau am vorteilhaftesten für den Gesamteindruck des
Kopfes erachtet. Wie immer aber auch diese Wahl ausfallen mag, soll das Haar immer und überall den Eindruck von Nettigkeit und Sauberkeit machen. Mit vom Polster zerwühlten, losen und ungeordneten Haaren sollte keine Dame sich vor anderen zeigen, selbst nicht im engen Familienkreis und am Frühstückstisch. Einige Kann-oder Bürstenstriche genügen, um das Haar in vorläufige Ordnung zu bringen, bis dann später der für den Tag bestimmte Kunstaufbau aufgetürmt wird. Und geht dies nicht an, fehlt es dazu an Zeit oder Lust, so berge man die wirren Strähnen unter einem neckischen Morgenhäubchen oder zwinge sie unter einem Netz in eine gewisse Ordnung.“

Nicht zuletzt das Waschen der Haare:

„Das Haar bedarf, um seine Fülle, Wachstum, besonders aber Glanz und Schönheit zu erhalten, einer sorgfältigen Pflege. Regelmäßiges Durchkämmen, das am besten von einer zweiten Person vorgenommen wird und zeitweilig mit dem Staubkamm geschehen soll, ist ein unentbehrlicher Behelf der Haarpflege, zu welcher auch periodische Waschungen der Kopfhaut mit lauem Wasser gehören. Als Pomade benutze man nur einfache, reine Fette…“

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