Die Eitelkeit
"Gestalt ist keinem weiblichen Wesen als Fehler anzurechnen, denn die Frauen sind bestimmt, das Auge zu ergötzen, wie die Blumen in der Natur."
Der Anspruch auf Sittsamkeit erwartete von den Mädchen und Frauen, dass die Natürlichkeit nicht durch Lippenrot, Schminke und Korsetts vergewaltigt werden sollte. Vielmehr hat „Frau“ darauf zu achten, ihren Geist frisch und wach zu halten und im
Herzen treu zu sein.
Eitelkeit hat viele negative Auswirkungen auf eine Frau. So wird davor gewarnt, dass
eine eitle Frau meist übel gelaunt ist, da Neid sich in ihr Innerstes drängt.
In der Ehe zerstört Eitelkeit das häusliche Glück, da die Aufmerksamkeit auf das eigene Erscheinungsbild die Aufmerksamkeit für den Ehemann erheblich schmälert. Zudem
wird der Kindersegen als lästige Zugabe zu den anderen Übeln des Ehestands empfunden. Auch das Älterwerden erträgt eine eitle Person nicht so ohne weiteres. Der Anblick der nachwachsenden Jugend mit ihrer frischen Ausstrahlung ist für sie nur schwer zu ertragen.
So wird uns geraten, der „Putzsucht“ in Maßen nachzugeben. Kleine Verschönerungen sind aber durchaus erlaubt. Folgende Empfehlungen werden uns gegeben:
- Waschungen des ganzen Körpers, Bäder und Abreibungen verbessern und erhalten unseren Teint. Mandelkleie als Zusatz parfümiert uns zart.
- Die Kleidung sollte die natürliche Schönheit unterstreichen. Dazu sollten die gewählten Farben der Person entsprechend sein. Für Brünette werden lichte und glänzende Farben empfohlen, stark gesättigte, dunkle Farben heben und kräftigen eine helle, blonde Erscheinung.
- Die Kleidung soll auf die Jahreszeit abgestimmt gewählt werden
- Zudem soll die Kleidung den Körperbau unterstützend erscheinen lassen und nicht „lachenerregend“ wirken
- Die Kleidung soll dem gesellschaftlichen Stand entsprechen
- Der Tageszeit angemessen erscheint die Dame zum Frühstück im geziemten Morgengewand. Eine leichte Haube bedeckt das Haar. Die Arme und die Brust sind bedeckt, der Stoff auserlesen, aber glanzlos, weiß gemustert oder dunkelfarbig.
- An den übrigen Tagesstunden erscheinen wir in anspruchsloser, dennoch
vollständiger Kleidung. Das Haar ist einfach gewunden, Arme und Brust leicht bedeckt. Das Kleid darf Verzierungen zeigen.
- Für Festabende dürfen wir in großer Garderobe auftreten, mit Blumen, Geschmeide, Gold und Federn im Haar. Weiße Schuhe und Handschuhe, sowie prächtige „Shawls“ runden unser Erscheinungsbild ab.
Zu guter letzt werden wir gebeten:
„Die Frauen dürfen keine Moden mitmachen, welcher Art sie auch sind, die auf´s
leiseste der Verschämtheit und Weiblichkeit zu nahe treten, nicht einmal im Scherz“
(Seidler, Bestimmung und Veredelung der Jungfrau, 1847)
(Frei zitiert aus dem „Lexicon der Sittsamkeit von A-Z“, Gert Richter)